Konduktive Pädagogik & Rehabilitation

Alltagstaugliches Konzept

Ist ein ganzheitliches alltagsorientiertes Präventions- und Rehabilitationskonzept aber auch ein pädagogisches Konzept für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Verschmelzung von Begegnung, Bewegung und Bildung zeichnet die Konduktive Pädagogik und Rehabilitation aus. Alle konduktiven Prinzipien können einer Säule zugeordnet werden. Dadurch ist sie besonders geeignet zur Unterstützung einer inklusiven  Gesellschaft im Sinne der vollen Teilhabe für alle Menschen.

Inklusionspyramide Konzept Konduktive Pädagogik und Rehabilitation nach Petö Das Wort konduktiv wird vom Lateinischen abgeleitet und bedeutet zusammenführen. Wir führen Bewegung, Begegnung und Bildung zusammen und schaffen damit ein Haus für Kinder mit unseren Worten. LEICHTER.LEBEN.LERNEN

Sie bietet vielfältige Anregnungen und aktive Betätigungen zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Stärkung des Selbstwertgefühls und Persönlichkeitsentwicklung.

Das Gesamtkonzept kann je nach Anwendungsart und Ort ein vorwiegend pädagogischer Ansatz sein, z. B. in inklusiven Kitas und Schulen,  es kann ein vollwertiger therapeutisch-rehabilitativer Ansatz sein, z.B. in Rehakliniken, Therapiepraxen und es kann ein Mischansatz von Pädagogik und Therapie in heilpädagogischen Einrichtungen, Seniorenheimen, im häuslichen Umfeld, im Förderschulbereich, in der Beratung,  u.a. sein. Die umfangreiche Ausbildung mit 240 ETCS (BSc, BA) plus  ev. 120 ECTS (MSc) ermöglicht die umfassenden und unterschiedlichen Einsätze von Konduktiven Fachkräften. Dementsprechend sind auch unterschiedliche Kostenträger zuständig – in pädagogischen Settings die Eingliederungshilfe, in medizinisch-therapeutischen Settings die Krankenkassen. Ursprünglich wurde das Petö-System von dem ungarischen Arzt und Pädagogen Prof. Dr. András Petö für Kinder und Jugendliche mit zerebralen Bewegungsstörungen, Muskeldystrophie, Spina Bifida und Erwachsene mit MS, Schlaganfall und Parkinson-Syndrom entwickelt. Inzwischen ist der Anwendungsbereich aufgrund der positiven Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse wesentlich erweitert worden. Auch im Bereich von Menschen mit Autismusspektrumstörung gibt es erfolgreichsten Einsatz. Petös Annahme und Ansatz war die enorme Plastizität des Gehirns – durch einen intensiven und gezielten Lernprozess können Lernstörungen und damit verbundene Beeinträchtigungen je nach Ausprägung kompensiert werden . Auch kleinste Entwicklungsschritte können beitragen zu einem selbständigeren Leben.

Grundlage der konduktiven Pädagogik und Rehabilitation ist es, dass die Schädigungen des Zentralnervensystems nicht nur isolierte Funktionsstörungen verusachen, sondern sich auf die gesamte Entwicklung der Persönlichkeit auswirken.

Durch die gezielte Förderung bestimmter Entwicklungsbereiche werden auch andere Funktionen und Fähigkeiten positiv beeinflusst.

Bestehende oder neu erworbene Fertigkeiten werden automatisiert und nachhaltig gespeichert, wenn sie sofort im Alltag praktiziert und sinngemäß angewendet werden. Durch die Einbindung im Alltag trägt die Konduktive Pädagogik und Rehabilitation dazu bei, eine eigen- aktive Lebensweise zu führen und möglichst lange zu erhalten.

Das Wort „konduktiv“ wird vom lateinischen „conducere“ abgeleitet und heißt „hinführen, zusammenführen, leiten“.

In der konduktiven Pädagogik finden sich diese Begriffe auf mehreren Ebenen wieder:

In der Förder- und Rehabilitationseinheiten oder im Ablauf von speziellen Förderworchen werden kommunikative, soziale, motorische, kongnitive und lebenspraktische Inhalte miteinander verbunden.

Einzelne motorische Funktionen werden in komplexen Bewegungsabläufen zusammengeführt und im Alltag angewendet.

Behinderungsbedingte Motivationslosigkeit mit mangelnder Eigenaktivität und unterschiedlichen Fähigkeiten werden zu einer aktiv handelnden, sozialen Gruppe zusammengeführt. Es wird zur Aktivität und Selbstständigkeit hingeführt und angeleitet.

Säulen des konduktiven Konzeptes: Bewegung Körper, Begegnung Seele, Bildung Geist, Pflege.

Petö-Möbel

Adaptierte multifunktionale Möbel, die Petö-Möbel, unterstützen den lern- und Rehabilitationsprozess: An Stühlen mit Sprossenlehnen, Tischen und Hochern mit Latten kann man sich gut festhalten. Sie sind eine große Hilfe beim Aufstehen und Hinsetzten, beim Gehen und Laufen. Es kann sich gedreht, umgegriffen werden oder an den Möbeln entlang die ersten Schritte gewagt werden. Stäbe und Ringe helfen beim gezielten Greifen, Festhalten und Loslassen, oder unterstützen sich bei der Durchführung von komlexten Bewegungsabläufen auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Zielgruppen

Die Konduktive Pädagogik und Rehabilitation ist geeignet bei zerebralen Bewegungs-und Entwicklungsstörungen, wie den verschiedenen Formen der Infantilen Zerebralparese, bei motorischen und geistigen Entwickungs- und Funktionsstörungen sowie allgemein bei Störungen des zentralen Nervensystems z.B. nach Unfall, Schlaganfall oder einer angeborenen Schädigung, bei Syndromen sowie sensorischen Störungen.

Finanzierung

Die Finanzierung ist breit gefächert und teils ein Mix aus verschiedenen Möglichkeiten von Eingliederungshilfe, Spenden, privaten Budgets, Pflegeversicherung, Selbstzahlung, Leistungsvereinbarung bei Behörden, welches die Kosten übernimmt und Sonstiges (z.B. Tagesbetreuung, Förderwochen, Werkstatt für behinderte Menschen, Stiftungen). Die überwiegenden Einrichtungen finanzierensich gleichermaßen durch Eingliederungshilfe,Selbstzahlung und Spendengelder.

Diese Art von Finanzierung ist eine immense Herausforderung in ihrer Umsetzung und eine
unsichere sich ständig neu gestaltendeFinanzierung.

Kreis Diagramm Finanzierung KF Liste: Eingliederungshilfe, Selbstzahler, Spenden, Leistungsvereinbarung beim Amt, Pflegeversicherung, Persönliches Budget
Kreisdiagramm zur Finanzierung der Konduktiven Förderung, Quelle: Umfrage BKF April 2021

Konduktiver Lifestyle

Die konduktiven Fortschritte begründen sich in der Automatisierung des Erlernten und werden, vereinfacht gesagt, durch ständige Wiederholung des Einstudierten im Gehirn fest verankert. Für die Lebensqualität und aktive Teilhabe ist es daher unerlässlich die körperliche und geistige Aktivität erlangter Fähigkeiten dauerhaft forzuführen und, wir nennen es einen „konduktiven Lifestyle“ zu adaptieren. Leider sind die Angebote nach der Schule für Erwachsene gering.

Wir arbeiten daher mit Hochdruck daran, die derzeit noch nicht ausgebauten Erwachsenen-Angebot in den Arbeitsalltag mit zu integrieren. Mobilisierung nach langem Sitzen spielt für Menschen mit Behinderung, die im Rollstuhl sitzen zusätzlich eine wichtige Rolle und wird aufgrund von mangelndem Pflegepersonal oder aus Zeitgründen zu Lasten der Gesundheit nicht gefördert. Viele Einrichtungen bieten derzeit Förderwochen an, das hier Erlernte soll in den Alltag integriert und täglich geübt und trainiert werden in intensiven Rehabilitationsphasen. Die alltagsorientierte Förderung eignet sich hervorragend als „conductive lifestyle“.